2. Projekt

 

Der Projektperimeter umfasst die 1.4 Hektaren grosse Parzelle der Stadtkaserne mit für die Nutzungen erforderlichen (unterirdischen) Abstellplätzen im Bereich des Oberen Mättelis sowie den Unteren Graben mit zugehörigen Bauten südlich davon (siehe Abb. 4 und Tab. 1).

 

Zum Betrachtungsperimeter (siehe Abb. 2 und 4) gehören ein optimaler künftiger Standort für Nutzungen wie Museum oder Kultur, die Zugänglichkeit vom Bahnhof, von der Alt- und der Vorstadt sowie von den Transformationsgebieten beidseitig des Murg-Auen-Parks (siehe Abb. 5).

 

Begegnung und Nachhaltigkeit
Im September 1903 fand auf dem Areal der Stadtkaserne und im Bereich der Zeughäuser die Schweizerische Ausstellung für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau statt (siehe Abb. 6). Der Geist dieser Ausstellung, wo sich Handwerk, heimische Erzeugnisse, Ernährungswirtschaft und Bildung austauschten, vermarkteten und gegenseitig zur Exzellenz anspornten, soll in die heutige Zeit überführt und zu einem nachhaltigen Prozess werden.

Für die Wertschöpfungskette sind möglichst kurze Wege vorgesehen. Entsprechend sollen die Produkte auf ökologischer Basis im Kanton erzeugt werden.

Als wichtiger Ort des Marktes, der Begegnung und des Erlebens dienen die einstige Doppelreithalle, der Kasernenhof, der Untere Graben sowie die Erdgeschosse der Stallungen und der Stadtkaserne (siehe Abb. 4 und 7).

 

Marke Thurgau stärken
Diese Absicht entspricht der regierungsrätlichen Strategie Thurgau 2040, wonach die Marke Thurgau als Herkunfts- und Qualitätslabel ausgebaut und sowohl Produkte als auch Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette geschaffen werden sollen.

Zudem regt der Regierungsrat das Realisieren einer flexibel nutzbaren Thurgauer Markt- und Eventhalle an, die er in seiner Beantwortung eines parlamentarischen Antrags zur Verwendung der Gelder von den TKB-Partizipationsscheinen als unterstützungswürdig erachtet (Beschluss vom 10. September 2019).

 

 

Mut und Entschlossenheit für das Gemeinwohl – damals wie heute
Nur wenn die Stadtkaserne in öffentlicher Hand bleibt und bei den Nutzungen weiterhin das Gemeinwohl im Vordergrund steht, wird eine für den ganzen Thurgau wichtige Belebung und Ausstrahlung des Stadtkasernenareals nachhaltig gesichert.

Diese nachhaltige Sicherung sowie die publikumsorientierte Belebung des Stadtkasernenareals werden von der Bevölkerung seit Jahren beharrlich angeregt – und können mit diesem Projekt optimal und zum Nutzen für den ganzen Kanton realisiert werden.

Als die Bürgergemeinde Frauenfeld im Jahr 1861 vor dem Entscheid zum Bau der Stadtkaserne stand, war ihr Credo, «in freisinniger, gemeinnütziger Weise etwas wagen». Nun sind erneut Mut, Entschlossenheit und Pioniergeist zugunsten des Gemeinwohls gefragt.

 

2.1 Ziele

  • Errichten eines Schwerpunkts für nachhaltige Aktivitäten mit Fokus auf die Innovationsbereiche Ökologie, Gesundheit, neue Arbeitsformen und Vernetzung (siehe Abb. 8)

  • Erhaltung der Ikone Stadtkaserne sowie der zugehörigen Gebäude als lebendiger, attraktiver Ort mit Ausstrahlung weit über die Kantonsgrenze hinaus

  • Einnehmen einer Vorbildfunktion bei der Sanierung des Ensembles

  • Aufbau und Betrieb eines Tors zum Thurgauer Markt, wo nachhaltig produzierte Thurgauer Produkte präsentiert, (aus-)probiert, erworben und genossen werden können

  • Ermöglichen von gemeinwohlbezogenen und kulturellen Nutzungen

  • Sicherstellen der Eigenwirtschaftlichkeit

 

2.2 Nutzung und Antrag

Im Erdgeschoss der Stadtkaserne sollen für Kunden und Besuchende gut zugängliche und hochfrequentierte Nutzungen entstehen, während in den oberen Geschossen Betriebe aus den Bereichen Gesundheit, Kreislaufwirtschaft und Bildung angesiedelt werden sollen. Im Dachgeschoss sind Vereinslokalitäten beabsichtigt (siehe Abb. 7).

Es ist Teil des Konzepts, dass die übrigen Baukörper sowie die Freiflächen möglichst kostengünstig an Startups, Vereine, Marktbetreibende, Kleingewerbe und Veranstaltende sowie kreative Gastronomen abgegeben werden können (siehe Tab. 1).

 

Eindrückliche Raumwirkung
Die Doppelreithalle ist das älteste erhaltene Gebäude dieser Art in der Schweiz. Die beiden identischen Teilhallen sind reine Holzständerbauten und mit reizvollen feingliedrigen, bis unter die Kehlbalkenlage offenen Dachstühlen. Sie sind einzig getrennt durch acht Stützen der Tragkonstruktion sowie die dazwischen angeordneten Pferdetränken.

Diese hohen Hallen bieten eine eindrückliche Raumwirkung. Sie sind gesellschaftlich eng mit der Tradition des Frauenfelder Militärwettmarsches und des Stadtlaufs verbunden. Die Reithalle soll primär als die Geborgenheit und die Sinne ansprechende Markthalle mit ganzjährigem Betrieb konzipiert werden. Auch grössere Anlässe wie der traditionelle Militärwettmarsch oder Innovationsmessen und andere grosse kulturelle und gesellschaftliche Events sind vorgesehen.

Der Kasernenhof hat dieselbe Funktion wie die Doppelreithalle, allerdings mit anderer Kulisse und ebenfalls einzigartiger Ambiance (siehe Abb. 2, 7 und 9).

 

Hoher Bedarf für vielfältige Nutzungen
Die Stallungen Nord und Süd enthalten bisher rund 30 Räume verschiedenster Grösse und Ausgestaltung. Sie begünstigen eine vielfältige, kleinräumige Nutzung – von Verkaufsständen für regionale Produkte über Gastronomie, Handwerk, Kreativwirtschaft bis hin zu Startups.

Im Erdgeschoss der Stallungen sollen vom Kasernenhof her wie auch von aussen gut erreichbare publikumsorientierte Nutzungen entstehen. Ihnen kommt in der Startphase eine wichtige Funktion der Neunutzung des Stadtkasernenareals zu. In Vorabklärungen hat sich bereits ein grosser Bedarf bezüglich Nutzungen manifestiert.

 

Hochwertige Lebensmittel
Im ganzen Kanton Thurgau wie auch in der Region Frauenfeld haben hochwertige Lebensmittel eine bedeutende wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung (siehe Anhang 4). Dafür soll das Areal der Stadtkaserne ein Schaufenster bieten.

 

Vernetzt Menschen und den Kanton
Der Ort der Stadtkaserne stärkt und vernetzt gastronomische und landwirtschaftliche (Familien-) Betriebe aus dem Kanton Thurgau und der Region. Er leistet damit einen Beitrag zur Ernährungssouveränität von Region und Kanton, fördert Kleinbetriebe und unterstützt die Idee einer Gemeinwohl-Ökonomie (Austausch von Waren, Netzwerk-Ökonomie).

Indem sich die Nutzung des MARKTS THURGAU an diesen Werten orientiert, leistet sie einen Beitrag zu einer offenen Stadt und zu einem lebenswerten Kanton. Der MARKT THURGAU versorgt die Bevölkerung mit frischen, guten und nachhaltig produzierten Lebensmitteln und verbindet urbane mit ländlichen Gebieten über das Essen. Angeboten werden sollen Produkte für den täglichen Bedarf wie Brot, Fleisch, Gemüse und Käse sowie Delikatessen für spezielle Anlässe.

 

Einzigartiges Einkaufs- und Aufenthaltserlebnis
Der MARKT THURGAU bietet ein besonderes Einkaufserlebnis durch das Verknüpfen von nachhaltigem Warenangebot, Handwerkskunst, historischer Architektur und zum Verweilen einladender Gastronomie und Kultur. Die Örtlichkeit soll motivieren, regelmässig vorbeizuschauen, zu verweilen, zu geniessen und einzukaufen. In der warmen Jahreszeit öffnen sich die Gebäude zum Kasernenhof, wo das Marktgeschehen unter freiem Himmel erweitert wird.

 

Nutzerorientierte Mietzinsreduktionen
Der MARKT THURGAU steht für die traditionellen Stärken des Kantons – und nimmt gleichzeitig Themen der Zukunft wie Nachhaltigkeit, regionale Versorgung, Direktvermarktung, Innovation und Kreativität auf. Der MARKT THURGAU ist für den Kanton, die Region Frauenfeld und die Stadt eine einzigartige Chance, selbstbewusst und stark aufzutreten.

Nutzerspezifische Mietzinsreduktionen sorgen für eine weitere Belebung und fördern das Angebot kleiner Thurgauer Produzenten und Anbieter.

Das Projekt hat das Potential, die besten Eigentschaften des Thurgaus über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt zu machen.

 

Markt der Ideen – für Startups und Kreative
Unter dem MARKT THURGAU ist neben dem Waren- und Nahrungsmittelmarkt auch der MARKT DER IDEEN eingeschlossen. Es sollen gute Voraussetzungen für Startups geschaffen werden und in den öffentlichen Bereichen sollen eine Vielzahl von die Kreativität und die Innovation anregenden Nischen entstehen.

 

Finanzierung

Antrag: Zur Deckung der jährlichen Aufwendungen beantragt die Stadt Frauenfeld einen Einmalbeitrag an die Sanierungskosten des gesamten Areals im Umfang von CHF 40 Mio. aus dem Erlös der TKB-Partizipationsscheine.

Mit den beantragten Mitteln im Umfang von CHF 40 Mio. müssen entsprechend weniger Kreditmittel finanziert und amortisiert werden, sodass der notwendige finanzielle Spielraum für Mietzinsreduktionen sowie den Betrieb der öffentlichen Begegnungs-, Markt- und Zirkulationsflächen entsteht. Die daraus jährlich resultierenden Aufwendungen von CHF 1.2 Mio.* werden mit den Förderbeiträgen (siehe Tab. 1) gedeckt.

 

* Die Aufwendungen von CHF 1.2 Mio. sollen durch die bei einem Einmalbeitrag von CHF 40 Mio. entfallenden jährlichen Kapitalzinsen von CHF 0.6 Mio. (Zinssatz 1.5%) sowie der entfallenden jährlichen Amortisation von
CHF 0.6 Mio. gedeckt werden.

 

2.3 Baurechtnehmerin, Trägerschaften und Mieter

Eigentümerin des Areals der Stadtkaserne ist die Schweizerische Eidgenossenschaft, vertreten durch armasuisse Immobilien. Der Bund sieht vor, die Liegenschaft im Baurecht ab 2023 zum Ertragswert an die Stadt Frauenfeld abzugeben.

Die Funktion der Baurechtsnehmerin wird die «Ermöglicherin» sein, d.h. die Rahmenbedingungen sind so festzulegen, dass an einer Teilnahme Interessierte möglichst grosse Spielräume erkennen und motiviert sind, die Ausstrahlung des Projekts zu erhöhen.

Die Vermietung von einzelnen Bereichen auf dem Areal der Stadtkaserne kann durch einen Verein, eine Genossenschaft, eine Stiftung, allenfalls auch durch die Stadt selbst organisiert werden.

Die Absichten und Fokusbereiche bilden Grundlage für die Trägerschaften, die Mieter und die Pächter. Für querfinanzierte Institutionen, Pächter und Mieter sollen entweder Leistungsvereinbarungen festgehalten oder die Belegungsdauer auf 5 bis 10 Jahre begrenzt werden, wobei eine erneute Bewerbung möglich sein soll.

Der Kasernenhof als Herzstück des Areals sowie die übrigen öffentlichen Zirkulationsflächen sollen grundsätzlich frei zugänglich und ein Aufenthaltsort mit Marktstimmung sein, wo Ideen ausgetauscht werden und neue Impulse entstehen.